Aristoteles geht in seinem dritten Buch der Nikomachischen Ethik unter anderem genauer auf die Tugend der Tapferkeit ein. Dabei untersucht er im Detail wie sich wirklich tapfere Menschen von denen unterscheiden, die nur den Anschein der Tapferkeit innehaben.
Tapferkeit als Mitte
Furcht und Mut spielen dabei eine zentrale Rolle, denn laut Aristoteles ist Tapferkeit eine Mitte im Bezug auf Beidem, inbesondere auf die Furcht.
Es gibt drei Arten der Furcht, die Aristoteles beschreibt, und nur bei einer, wenn man sich ihr entgegenstellt, ist man wahrlich tapfer:
- Furcht die richtig ist, d.h. man soll sich fürchten und wer das nicht tut ist nicht anständig. In diesem Fall ist man nicht tapfer, wenn man sich nicht fürchtet.
- Furcht die „falsch“ ist, d.h. man soll sich von Natur aus nicht fürchten, denn man kann sich nicht wehren. Daher ist man auch nicht tapfer, wenn man sich nicht fürchtet.
- Furchterregendes, bei dem man sich wehren kann. Oder auch, wenn man nach etwas Edlem strebt, dass Furchteinflößendes mit sich bringt. In beiden Fällen ist Tapferkeit angesichts dieser Furcht, d.h. das Aushalten dieses Fruchterregenden, wahre tugendhafte Tapferkeit.
Wer also aushält und fürchtet, was man soll und weswegen man soll, und auch wie und wann man soll, und gleichermaßen auch Mut hat, der ist tapfer. Der Tapfere empfindet und handelt, wie es angemessen ist und wie es die Vernunft erfordert.
Die Extreme von Furcht und Mut
Da Tapferkeit eine Mitte im Bezug auf Furcht und Mut ist, definiert Aristoteles als nächstes die Extreme, d.h., das was in keinster Weise die Tapferkeit ausmacht:
- der übermäßig Furchtlose ist nicht tapfer, sondern entweder wahnsinnig oder unempfindlich.
- der übermäßig Mutige ist tollkühn. Allerdings gibt es oft auch den situationsbedingten Tollkühnen, der nur in leichten Sitationen übermäßig mutig , in schwierigen aber feige ist.
- der übermäßig Furchthafte, hat auch einen Mangel an Mut und ein Übermaß an Unlust, und ist feige.
Anschein der Tapferkeit
Zuletzt zeigt Aristoteles das Verhalten auf, was den Anschein der Tapferkeit wahrt, obwohl es das nicht wirklich ist. Nur scheinbar tapfer ist,
- wenn man Furchthaftes aushält, weil man einem größeren Leid entgehen will.
- wer mehr als andere weiß und auf einem Gebiet so überlegen ist, dass es eigentlich nichts Furchtbares auszuhalten gibt. Der Anschein der Tapferkeit entsteht nur, weil andere diesen Vorteil nicht haben.
- wer aus Optimismus handelt, weil er glaubt er ist Überlegen, für den gibt es ähnlich wie oben nichts Furchterregendes auszuhalten.
- wer nicht weiß womit er es zu tun hat, die furchterregende Sache, die es auszuhalten gibt, also nicht erkennt.
- wer allein aus Schmerz und Zorn und somit im Affekt handelt. Denn nur wer ein höheres Ziel verfolgt handelt wahrlich tapfer. Allerdings räumt Aristoteles hier ein, dass Zorn durchaus behilflich sein kann tapfer zu handeln.
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