Im Kapitel Erziehung zur Entbarbarisierung des Buches Erziehung zur Mündigkeit diskutiert der Philosoph Theodor W. Adorno mit Hellmut Becker, dem Direktor des Instituts für Bildungsforschung, inwiefern man zur Entbarbarisierung der Menschen beitragen kann.
Zu diesem Zweck beschreibt Adorno erst einmal, dass Barbarei der Zustand ist, wenn Menschen trotz hoher technischer Möglichkeiten in zurückgebliebener Form, angriffswillig, destruktiv und hassend Handeln. Auf die Gesellschaft bezogen ist dies die größte Gefahr die der Aufrechterhaltung der Zivilisation entgegensteht und so sollte zum Überleben der zivilisierten Gesellschaft das wichtigste Ziel der Erziehung die Entbarbarisierung sein.
Dem entgegengesetzt sieht Adorno die bisherige Deutsche Erziehung, welche auf Anpassung und dogmatische Werte beruht:
… daß die Menschen Bindungen gewinnen, sollen, oder daß sie sich anpassen sollen an das herrschende System, oder daß sie an gewissen objektiv geltenden, dogmatisch gesetzten Werten sich orientieren sollen.
Adorno spricht auch über zwei Ebenen der Barbarei, die es zu bekämpfen gilt
⦁ die des Einzelnen, d.h. basierend auf psychologischen Umständen des Einzelnen
⦁ gesellschaftliche Faktoren, d.h. wenn gewisse gesellschaftliche Umstände die Menschen unabhängig von psychologischen Umständen zur Barbarei treiben
Außerdem merkt Adorno an, dass gerade die falsche Erziehung zu barbarischem Verhalten führt, z.B. durch:
⦁ Unterdrückung und Repression während der Erziehung
⦁ undurchsichtige, d.h. blinde, und auch gewalthafte Autorität
⦁ Wettbewerb in Schulen
Auf Freudschen Erkenntnissen beruhend kann auch persönliches Versagen zu Schuldgefühlen und somit zu Aggressionen führen. Dementsprechend, so Adorno, kann auch die Kultur versagen, wenn sie den Menschen z.B. Frieden verspricht, dieses Versprechen jedoch nicht erfüllt. Interessanterweise baut sich oftmals kein Hass gegen den Versprechensbruch auf …
„Statt dessen richtet sich der Haß gegen das Versprechen selbst und äußert sich in der fatalen Gestalt, daß es nicht sein solle.“
Im Allgemeinen ist Gewalt ein zentrales Thema bei der Entbarbarisierung. Allerdings betont Adorno auch, dass man nicht emotionslos werden soll, denn negative Emotionen gegen Schlechtes sind wichtig. So räumt er ein, dass Gewalt wenn sie reflektiert einen durschaubaren Zweck für ein positiven, humanen Zustand der Gesellschaft hat durchaus notwendig sein kann, obwohl er darin eher eine Ausnahme sieht.
Stattdessen schlägt Adorno als Maßnahme zur Entbarbarisierung vor
⦁ die oben genannten Probleme und Gefahren von Erziehung und Kultur sowie die damit im Zusammenhang stehende Barbarei ins Bewusstsein zu rufen
⦁ Kindern schon früh eine gewisse Scham gegen Gewalt beizubringen, so dass sie weder selbst zu Gewalt greifen, aber auch nicht zuschauen, wenn sie Gewalt woanders beobachten
Das Buch Erziehung zur Mündigkeit wurde im Suhrkamp Verlag veröffentlicht.
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